Ein- und Ausblicke in den deutsch-griechischen Sprachgebrauch zwei- und mehrsprachiger Kinder und Jugendlicher im Großraum München
DOI:
https://doi.org/10.26247/lexis.2982Abstract
Die Bevölkerung griechischer Herkunft im Großraum München hat sich im Verlauf der vergangenen Jahrzehnte deutlich verändert. Unterschiedliche Migrationsphasen, Familien- und Bildungsbiografien sowie institutionelle Rahmenbedingungen prägen heute eine heterogene mehrsprachige Lebenswirklichkeit. Vor diesem Hintergrund untersucht die Monografie, wie Kinder und Jugendliche Griechisch und Deutsch in Familie, Freizeit und digitalen Räumen verwenden und welche Bedeutung die beiden Sprachen für sie besitzen. Einbezogen werden auch die diesbezüglichen Perspektiven ihrer Eltern und der Lehrkräfte der Griechischen Sprachkurse (TEG).
Die Ergebnisse zeigen keine einfache Gegenüberstellung der Sprachen, sondern bereichs- und situationsabhängige mehrsprachige Repertoires: Griechisch ist vor allem in familiären und emotionalen Zusammenhängen stark präsent, während Deutsch in bestimmten Freizeit- und digitalen Kontexten zentrale Funktionen übernimmt. Beide Sprachen werden überwiegend als wichtig eingeschätzt. Die Griechischen Sprachkurse erweisen sich für die untersuchte Gruppe als bedeutsamer institutioneller Sprach- und Bildungsraum, auch wenn in dieser Studie die Unterrichtswirkung nicht untersucht wurde.
Die Ergebnisse gelten selbstredend für die untersuchte Gruppe und sind nicht unmittelbar verallgemeinerbar. Dennoch schafft die Untersuchung eine aktuelle empirische Grundlage für die weitere Erforschung mehrsprachiger Sozialisation, des Spracherhalts und domänenspezifischer Sprachpraktiken in Migrationsgesellschaften. Bildungspolitisch liefert sie Impulse für die Weiterentwicklung und institutionelle Absicherung herkunftssprachlicher Angebote sowie für eine ressourcenorientierte mehrsprachige Bildung. Ihre wissenschaftlichen und bildungspolitischen Anschlussmöglichkeiten reichen damit über das Sprachenpaar Griechisch–Deutsch hinaus: Die entwickelten Fragestellungen und Perspektiven sind auch für andere mehrsprachige Bevölkerungsgruppen und Bildungskontexte relevant, in denen familiale Sprachweitergabe, gesellschaftliche Teilhabe und institutionelle Sprachbildung zusammenwirken.